Mindestens haltbar bis siehe Ende.

Texte von Hans Georg Hildebrandt, mehr oder weniger aktuell.

Archive for November 2016

Trumpismus: Von der Unmoral verspiesene Zivilgesellschaft

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Warum sollte man jemanden respektieren, der einen Populisten wählt? Diese Leute haben ganz klar keine Moral und keine Empathie, beides Grundlagen eines zivilisierten Zusammenlebens. Der Trumpismus wird als Beginn des Endes der Demokratie (oder dessen, was wir dafür hielten) in die Geschichte eingehen. Als der Zeitpunkt, am dem das Faustrecht des Kapitals endlich als selbstverständlich akzeptiert wird. Unter den Populisten-Anhängern gibt es einen Teil, der autoritär geführt werden will und einen Teil, der einfach nur seine mehr oder minder grossen Privilegien wahren will (mir in der Berlusconi-Zeit als «Furbismo» bekannt geworden und derzeit in Berichten von den Duterte-Philippinen nachzulesen). Aus diesen ergibt sich eine beträchtliche Schnittmenge. Sie fühlt sich bereits jetzt in der Mehrheit, auch wenn sie noch in der Minderheit ist, erwartet aber ein rasches zahlenmässiges Wachstum und hofft, es den aktuell mächtigen «Eliten» dann so richtig geben zu können.
Ihren Mitgliedern ist gemeinsam wichtig, dass es unter ihrer Schicht eine Schicht von Schwachen gibt, die geknechtet und gedemütigt und im Extremfall vernichtet werden darf. Diese unterste Schicht war schon immer da und es ging ihr in der Demokratie auch schlecht, aber nun wird sie ausfindig gemacht und bewusst gepeinigt, um die Wählermassen durch gemeinsames Begehen von moralischen Abgründigkeiten zusammenzuschweissen. Auch Frauen dürfen von Trumpisten gedemütigt und verachtet werden, einfach für ihr Frausein und ihre körperliche Unterlegenheit. «Know your Place», wie es immer heisst, wenn jemand Aufmüpfiges zurechtgewiesen wird. Jeder kann diesen Satz irgendwann mal sagen, denn es gibt immer einen Schwächeren. Sogar, wenn man eine Frau ist («Ape in Heels»-Syndrom).
Die geführten Schichten imitieren so die moralischen Abgründigkeiten, welche von der Führungsschicht zwecks Machterhalt begangen werden. Sie dürfen gewissermassen teilhaben am grossen Mechanismus der Unterdrückung – ein befriedigendes Gefühl. Man muss aber sehen, dass die systematische Vernichtung der Lebensgrundlagen unserer Kinder, oder unsere Behandlung von Tieren in der industriellen Zucht schon jetzt moralisch abgründig sind.
Insofern ist, was jetzt kommt, bloss eine Demaskierung und ein Verschieben der Ebenen. Es sollte sich bloss kein Fan des Trumpismus sich zu sehr darauf verlassen, dass er für immer zu den Stärkeren zählen wird. Eine Welt ohne Moral ist für die allermeisten Leute ein gefährlicher Ort, aber natürlich unvergleichlich spannender als eine Uni mit Transgendertoiletten. Steht übrigens alles schon in Orwells «Animal Farm» zu lesen. Wurde als Schulstoff aber vermutlich abgeschafft zugunsten von Kursen im Googeln. (Wenn ich nur endlich aufhören könnte, über diese Scheisse nachzudenken.)

Written by hghildebrandt

16. November 2016 at 9:59 am

Veröffentlicht in im Vorbeigehen