Mindestens haltbar bis siehe Ende.

Texte von Hans Georg Hildebrandt, mehr oder weniger aktuell.

Schweizer Musikbranche enthüllt neue Singbots

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Die Schweizer Musikindustrie steckt in einer Rentabilitätskrise. Exponenten der Branche rücken der Problematik nun mit den Mitteln von Big Data zu Leibe.

Nicht erst seit dem massenhaften Raubkopieren digitaler Tonträger dominieren in der Schweizer Musikszene die langen Gesichter. «Das Schweizer Musikgeschäft war noch nie ein Geschäft», sagt Roman Camenzind, einer der Schweizer Musikprofis, welche der anhaltenden Flaute ein für allemal abhelfen wollen.

Roman Camenzind übernimmt die Führung

Camenzinds Studio «Hitmill» ist Domizil der Firma Singbot Unlimited, welche am vergangenen Dienstag im Zürcher «Kaufleuten» die erste Generation vollsynthetischer Musikmaschinen enthüllt hat. «Da Singer-Songwriterinnen medial am einfachsten zu vermarkten sind, haben wir als Leadprodukte zwei entsprechende Bots am Start», sagte Camenzind während seiner Präsentation. Die beiden Figuren werden unter den Namen Zulu Büsi und Schümli Pflümli auftreten. Ihr Äusseres erinnert mit Schnittlauchhaaren und markanten Wangenknochen an bekannte Namen wie «Lea Lu» und «Heidi Happy», welche als Musik-Borgs der zweiten Generation noch zu rund fünfzig Prozent menschlich waren, ebenso wie das männliche Pendant «Baschi». Er wird durch einen Singbot mit dem Namen Ghetto Kompletto ersetzt und kann nach Bedarf einen weiblichen Part übernehmen, um mit Zulu und Schümli eine Girlgroup zu bilden; zu diesem Zweck wird Ghetto Kompletto jeweils die Identität einer optimierten, femininen Version von Gölä annehmen, deren Name Gölette lauten wird.

Text-Kompetenz unter Kopftuch

Natürlich sollen die drei neuen Singbots nicht nur ungefähr hundertneunzig untrentable Arbeitsplätze von verkrachten Künstlern einsparen, sondern auch Hits liefern. Dank der konsequenten Auswertung von Social Medeia können die Wünsche der Hörerschaft heute wesentlich konsequenter bedient werden. Die Musik zu sämtlichen Songs wird künftig von einem Algoritmus in Tschechien geschrieben. Für das Verfassen sämtlicher Texte wird Chris von Rohr verantwortlich zeichnen. «Da ich bei der ‚Schweizer Illustrierten’ keine Kolumne mehr schreiben darf, musste ich für mein neoliberales Gedankengut ein neues Outlet finden», beleuchtete das Kopftuch der Nation die Hintergründe seines Engagements. «Ich trage übrigens kein Kopftuch, sondern ein dem kommenden Burka-Verbot entsprechendes Bürkli.»

Keine Angst vor Einheitsbrei

Roman Camenzind verspricht, dass der Rollout von Zulu Büsi, Schümli Pflümli und Ghetto Kompletto auf das Hörvergnügen der Schweizer Musikkonsumenten keinerlei negative Auswirkungen haben wird. «Im Gegenteil. Wenn dir in Zukunft etwas bekannt vorkommt, wirst du wenigstens genau wissen, warum.» Für die Beschäftigung der Schweizer Ex-Musikerinnen und Musiker hat er bereits eine Lösung. «Erstens ist es um Pegasus nicht schade und zweitens können alle als Freelancer in meiner Villa Wasserhähne vergolden kommen.»

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Written by hghildebrandt

16. April 2015 um 7:52 am

Veröffentlicht in im Vorbeigehen

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